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Geschichte von: Hans Weilguni
5 Wochen, die Augen zum Leuchten bringen! 5 Wochen, 840 Kilometer, viele Bilder und noch mehr Erfahrungen brachte Hans Weilguni mit vom „Camino Francès“ besser bekannt als Jakobsweg. Der Start mit einer Nachtbusfahrt am 27. April von Stuttgart war schon ein wenig holprig, denn diese endete nachts um 4.00 Uhr an einer dunklen Mautstelle in der Nähe Biarritz. Von dort mit dem Bus nach Baionne und der Bimmelbahn nach Jean Pied de Port dem Startort des Camino. Mit vielen Plänen im Kopf begann für Hans Weilguni die lange Reise zu Fuß mit einem Aufstieg auf über 1400 Meter Höhe. Die erste Bewährungsprobe auf einem Weg der durchschnittlich auf 800 Metern Höhe verläuft. Im April und Mai kann dann schon das Klima auch noch etwas rauer sein, doch das sollte ihn nicht abschrecken. Gut ausgerüstet mit bereits eingelaufenem Schuhwerk, einem Rucksack, der mit höchstens 8 Kilogramm nicht zu schwer sein durfte und dem geschnitzten Holzstock als Gehhilfe. So muss die Strecke schon zu schaffen sein. Zwischen 30 und 40 Kilometer pro Tag sollten laut Plan bewältigt werden, doch schnell sind diese Pläne über Bord geworfen, denn läuft man bis zum späten Abend so sind die Pilgerherbergen voll. So stellte sich schnell ein eigener Laufrythmus ein. Morgens zwischen 6.00 - 6.30 Uhr ging es los, um bis 14.00 Uhr eine Herberge erreicht zu haben. Diese öffnen meist um diesen Zeitpunkt und sind schnell belegt. Läuft man länger kann man die eine oder andere Nacht unter freiem Himmel nächtigen und das ist im April oder Mai nicht immer angenehm. So waren die wichtigsten Fragen auf dem Weg: So geht man nun meist auf von der Unesco (Weltkulturerbe Camino) befestigten Schotterpisten vor sich hin und hat seine drei Fragen schnell beantwortet. Als Hans Weilguni das erzählt, beginnen seine Augen an zu leuchten und die Intensität der Worte wird stärker: „Man geht so vor sich hin und hat nichts mehr zu denken. Man geht seinen Laufrythmus und ist eins mit sich selbst und der wunderbaren Natur. Und kein lästiger Gedanke stört diese Einheit“ Eine Einheit mit Heidebüschen, die manchmal über zwei Meter groß werden, verlassenen aber oft liebevoll restaurierten Dörfern, prachtvollen Kirchen und Schotterpisten, die sich harmonisch an die hügelige Landschaft anschmiegen. Begleitet wurde er von der herzlichen Gastfreundschaft der Spanier und den Rufen des Kuckucks (wahrscheinlich der Kuckuck, der den Mühlbacher Jägern entgangen ist) auf dem ganzen Weg. Doch auch unter den Mitwanderern fand er viele Wegbegleiter, mit denen man mal ein Stück des Weges gehen konnte. Gesprochen wurde aber meist nicht viel, da jeder seine Gedankenleere genoss. Die eine oder andere Freundschaft wurde dann abends beim gemeinsamen Kochen oder bei einem geselligen Glas Wein in der Herberge ausgebaut, um nach der Reise fortgeführt zu werden. Unterstützt hat man sich immer auf dem Weg und so schaffte es auch ein Brasilianer, der mit riesigen Blasen an den Füßen zu kämpfen hatte den Weg zu gehen, weil man ihm überall weiter half. Hans Weilguni blieb zum Glück verschont was er, wie er sagt, hauptsächlich seiner Hirschhornsalbe und den guten Schuhen zu verdanken hatte. Kleinere Probleme wurden durch die Gemeinschaft schnell weg gesteckt. Die oftmals schlechte Hygiene der Unterkünfte oder das schlechte Wetter mit starken Regen, welches Hans Welguni zum Glück nur einmal traf, waren dann schnell vergessen. So gingen die Tage und Wochen der Wanderung dahin und der Tagesablauf wurde immer mal wieder mit einer abendlichen Pilgermesse gekrönt. Hier finden sich die Pilger in den kleinen Ortskirchen zum gemeinsamen Gottesdienst ein. Doch wer glaubt nur Christen gingen den Jakobsweg der täuscht sich. Hans Weilguni traf auch Moslems und Hindus, die sich auf den Weg machten. In Gesprächen zeigte sich schnell, dass das religiöse Empfinden den Religionen allen gemeinsam ist. Dies finden die anderen Religionen dann auch auf dem Jakobsweg. An Pfingsten war dann, zusammen mit seiner Frau Renate Haag, die ihn inzwischen begleitete das Ziel Santiago de Compostella erreicht. Den ersten Blick auf die Stadt kann man erhaschen wenn man über den Monte do Gozo schreitet. Der erste schöne Eindruck täuscht aber leider etwas. Die Stadt selbst und ihre Kirchen sind etwas ungepflegt. An jeder Ecke steht ein Opferstock und die Pilgermesse ist eine Massenveranstaltung, die nicht an den Charme der Pilgermessen der Dörfer heranreicht. So entschlossen sich die beiden Pilger schnell weiter zu gehen, zum endgültigen Ende ihrer Pilgerreise. Ca. 100 km. entfernt von Santiago de Compostella liegt das Capo Finisterra, welches in der Antike als das Ende der Welt bekannt war. Weiter nach Westen konnte man nicht gehen und kein Seemann der damaligen Zeit traute sich über den Ozean. Hier endete auch für Hans Weilguni und Renate Haag ihre Pilgerreise mit der symbolischen Verbrennung ein paar ihrer Pilgerkleider. Macht man so eine Reise noch einmal im Leben? „ Ich würde es sofort wieder machen“ ist da seine klare Antwort! „ Nur diesmal im Winter!“ fährt er schnell fort. Und sieht man dieses Leuchten in seinen Augen so glaubt man ihm dies sofort! |
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